Materielle und ideelle Aufwertung des Pflegeberufs

AWO und ver.di –Vorsitzendender Bsirske fordern auf 2. Sozialkonferenz der AWO materielle und ideelle Aufwertung des Pflegeberufs

 

Damit Pflege morgen noch bezahlbar und von hoher Qualität erbracht werden kann, müssen wir schon heute über entsprechende Konzepte diskutieren“, so AWO Präsident Wilhelm Schmidt anlässlich der 2. AWO Sozialkonferenz „Pflege von morgen braucht eine starke Gemeinschaft“ in Berlin. „Das von der Regierung ausgerufene Jahr der Pflege ist eine Farce. Vollmundige Versprechungen - und am Ende stand eine Reform die den Namen nicht verdient“, kritisiert Schmidt. Im Gegensatz dazu nehme die AWO Fragen zur Zukunft der Pflege sehr ernst und diskutiert entsprechend notwendige Reformvorhaben.

 

„Der demografische und soziale Wandel wird das Thema Pflege in den kommenden Jahren immer weiter ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Wir alle werden dem Thema nicht mehr ausweichen können“, ergänzt AWO-Bundesvorsitzender Wolfgang Stadler. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter nehme ab, zugleich steige die Zahl derjenigen, die im Alter Hilfe brauchen. Diese Entwicklungen würden nicht ohne Folge für die Absicherung des Pflegerisikos im Alter bleiben. „Doch statt Horrorszenarien zu zeichnen, werden auf der Sozialkonferenz die zentralen Eckpfeiler der Pflege von morgen diskutiert: gerechte Finanzierungssicherheit, qualifiziertes Personal, zukunftstaugliche Versorgungsstrukturen und Stärkung der Zivilgesellschaft“, unterstreicht Stadler.

 

„Wir brauchen eine materielle und ideelle Aufwertung der Pflegeberufe“, ergänzt ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske. Nur so lasse sich langfristig und im Interesse der Pflegebedürftigen die Fachlücke schließen.

Die AWO fordert seit langem eine Einführung der Bürgerversicherung, als solidarische Finanzierungsgrundlage in der Pflegeversicherung. „Das Pflegerisiko darf nicht privatisiert werden. Die gesamte Bevölkerung muss in eine Bürgerversicherung nach ihrer jeweiligen Leistungsfähigkeit einzahlen“, betont AWO-Präsident Wilhelm Schmidt. Sie leiste einen wichtigen Beitrag zur Verminderung von sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit. Für die Beitragsbemessung müssten alle Einkommensarten herangezogen werden und die Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau in der Rentenversicherung (5.500 €) angehoben werden.

 

Die AWO fordert ebenso neue Versorgungsmodelle, die kleinräumig und quartiersorientiert sind. „Notwendig sind Hilfe-Mix Konzepte, die nach dem Prinzip der geteilten Verantwortung funktionieren und in dem Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe, professionelle Pflege, Sozialarbeit, Angehörige koordiniert miteinander unterstützen“, ergänzt AWO-Bundesvorsitzender Wolfgang Stadler. Die Rückbesinnung auf die Sozialraumorientierung sei ein wesentlicher Baustein einer neuen Kultur des Helfens. Sozialraumorientierung bedeutet zudem die Aktivierung bisher brach liegender Potenziale der Zivilgesellschaft. „Sozialraumorientierung darf jedoch nicht zum Deckmantel des Rückzugs staatlicher Verantwortung werden“, fordert Stadler. „Die Stärkung der Kommunen, die Stärkung des Ehrenamtes und die Stärkung der Zivilgesellschaft insgesamt, gibt es nicht zum Nulltarif. Die politisch Verantwortlichen müssen hier die notwendigen Rahmenbedingungen bereitstellen“, so Stadler.

„Verlieren wir alle gemeinsam keine Zeit und gestalten schon heute die Pflege von morgen“; appelliert AWO Präsident Wilhelm Schmidt.